Jährlicher Frühjahrskampf gegen Baumabholzung

Winter und Frühjahr bis zum ersten März ist Hauptkampfzeit der Bremervörder Stadtverwaltung für ein "ordentliches" Grüne in der Stadt. Über das notwendige Maß an Auslichtung und Zurücksetzung wird die Gelegenheit genutzt den Baumbestand zu reduzieren. Dazu drei Anträge und Anfragen der Grünen, FDP und Linke, um das Schlimmste zu verhüten: 14.2.2019 Der Rat der Stadt Bremervorde beschließt ...

Winter und Frühjahr bis zum ersten März ist Hauptkampfzeit der Bremervörder Stadtverwaltung für ein "ordentliches" Grüne in der Stadt. Über das notwendige Maß an Auslichtung und Zurücksetzung wird die Gelegenheit genutzt den Baumbestand zu reduzieren. Dazu drei Anträge und Anfragen der Grünen, FDP und Linke, um das Schlimmste zu verhüten:

14.2.2019   Der Rat der Stadt Bremervorde beschließt

a) fur die in der Brunnenstraße im letzten Herbst gefallten Baume wird eine Ersatzpflanzung vorgenommen.

b) diese Ersatzpflanzung orientiert sich an der Planung von Herrn Tabery fur die Brunnenstraße. Begrundung: Die ersatzlose Fallung von Baumen in der fur Bremervorde pragenden Brunnenstraße ist fur das Stadtbild Bremervordes schadlich.

 

14.2.2019   ich bitte um die Behandlung eines Tagesordnungspunktes "Zustand des Baumbestandes bzw. derBaumreihe am Westrand des Wohngebietes Engeo" im zustandigen Ausschuss.

Begrundung: Der umfangreiche Baumstreifen zum Abschluss des Wohngebietes in Engeo nach Westen auf die Umgehungsstraße zu ist durch Baum- und Buschentnahme der Anwohner teilweise zerstort worden und kann seine okologische Funktion nicht mehr erfullen. Die Rechtslage dazu und die Handlungsmoglichkeiten der Stadt Bremervorde sind je nach Bebauungsplanabschnitt unterschiedlich und kompliziert. Der Sachverhalt dazu sollte von der Stadtverwaltung erlautert werden.

 

15.2.2019   Ich bitte um die Ansetzung eines Tagesordnungspunktes "Rettung des Baumbestandes am Rathausmarkt" im zustandigen Fachausschuss.

Begrundung: Das Ensemble von Baumen um das Kammanngebaude herum (kleine Baume 3. Ordnung der Gattung Sorbus oder Mehlbeere), uber den Rathausplatz (Mittelgroße Baume 2. Ordnung der Gattung Robinia) bis hin zum Bereich vor G&K Richtung Spielplatz (große Baume 1. Ordnung, überwiegend Linden) ist aus meiner Sicht sehr harmonisch aufeinander abgestimmt und bietet okologische Vielfalt uber alle Jahreszeiten.

Alle Baume sind gesund und vital. Sie wurden professionell gepflanzt und konnen, auch aufgrund der Baumscheiben, noch viele Jahrzehnte (Sorbus und Robinia) bzw. Jahrhunderte (Linden) Mensch und Tier mit ihren vielfaltigen, okosystemaren Dienstleistungen beglucken. Die Stolperfallen (von Wurzeln hochgedruckte Pflastersteine), auch im Bereich der Robinia, sind minimalst und schon fur ganz kleines Geld zu beheben, ohne den Baumen nennenswert zu schaden. Die "Dienstleistungen" dieser Baume sind so vielfaltig (Schattenspende, Staubbindung, Luftbefeuchtung, Asthetik...), dass ich hier nur den okologischen Wert naher betrachten kann.

Die Sorbus sind nicht heimisch (Herkunft Skandinavien), werden aber bereits seit Jahrhunderten bei uns kultiviert. Sie sind die fruhesten Bluher im Ensemble und bieten reichlich Pollen und Nektar fur eine Reihe von Insekten (Honig- und Wildbienen, Hummeln und andere soziale Faltenwespen, Schmetterlinge, Kafer...). Wenn sie bluhen, werden sie von vielen Insekten als "Tankstelle", Lebens- und Nahrungshabitat genutzt. Entsprechend hoch ist auch die Zahl der insektenfressenden Vogel, welche hier partizipieren. Obwohl diese Sorbus hier nicht heimisch sind, haben sich uber die Jahrhunderte sehr viele Arten an sie gewohnt und angepasst. Auch und gerade im Winter bieten die attraktiven roten (Vogel-)Beeren wichtige Vogelnahrung.

Als nächste Art in der "Bluhkaskade" blühen die Robinia. Ebenfalls eine nicht heimische Art, welche seit Jahrhunderten bei uns angepflanzt wird. Daher gilt alles vorher zur Sorbus Gesagte auch fur Robinia. Mit dem Unterschied, dass Robinia mit Blutenfulle und Nektarproduktion bei den bei uns vorkommenden Baumarten eine absolut herausragende Spitzenstellung einnimmt. Robinia ist ein Magnet fur sehr viele Insektenarten, mit entsprechender Attraktivitat fur viele insektenfressende Vogel, welche sich zur Robinienblute inmitten der Zeit der Jungenaufzucht befinden. Ein weiteres Alleinstellungsmermal von Robinia ist ihre große Unempfindlichkeit hinsichtlich des Einsatzes von Streusalz und anderen negativen Umwelteinflussen.

Als letzte Gattungsgruppe bluhen die Linden. Sie sind urheimisch und hunderten von Arten partizipieren als Lebens- und /oder Nahrungshabitat von ihnen. In dem beschriebenen Raum rund um den Marktplatz wurden, sehr vorausschauend, einige sehr gut zueinander passende Baumarten gepflanzt. In diesem Habitat hat sich eine (sehr lokale) Lebensgemeinschaft aus Insekten, Vogeln und anderen Arten entwickelt. Jeder erhebliche Eingriff in den Baumbestand wird verheerende Auswirkungen auf diese Lebensgemeinschaft haben. Angesichts des Insektensterbens, des allgemeinen Artenschwundes, des Klimawandels und seiner negativen Auswirkungen im urbanen Raum, der Jugend und Vitalitat des beschriebenen Baumbestandes sowie der hierfur getagtigten Investitionen sollten Eingriffe aller Art unterbleiben.

Sollten dennoch Eingriffe geplant werden, so ist eine Kompensation von langer Hand vorzubereiten. Eine Ersatzpflanzung (in raumlicher Nahe) kann nur nach vielen Jahren, tlw. Jahrzehnten eine kompensatorische Wirkung entfallten.

Kategorie

Archiv Naturschutz Stadtentwicklung