


08.09.26 –
Pascal Mennen und Stadtrat- und Kreistagskandidatin Marion Kaiser zu Besuch bei der Hauptschule Bremervörde und der Findorff Realschule.
Schulen in Bremervörde stehen vor großen gesellschaftlichen und bildungspolitischen Herausforderungen
Die Schulen stehen vor erheblichen Herausforderungen. Bei einem Besuch vor Ort durch Pascal Mennen MdL schulpolitischer Sprecher und Marion Kaiser Sprecherin der Grünen in Bremervörde und Stadtrat- und Kreistagskandidatin, wurden zahlreiche Probleme angesprochen, die von Vandalismus und Drogenkonsum über fehlende Aufenthaltsmöglichkeiten bis hin zu Schulabsintismus und einem hohen Unterstützungsbedarf bei vielen Schülerinnen und Schülern reichen. Deutlich wurde dabei auch: Die Schulen benötigen mehr Unterstützung durch den Schulträger, den Landkreis und die Politik. Einen ausführlichen Einblick gewährten Bettina Paquet, Rektorin der Findorff-Realschule und Axel Müller, Rektor der Hauptschule Bremervörde.
Vandalismus und Drogenkonsum bereiten große Sorgen
Besonders problematisch ist die Situation auf dem Außengelände der städtischen Schulen an den Wochenenden. Wiederholt kommt es zu Vandalismus und Hinweisen auf Drogenkonsum. Unter anderem wurde die Tür zur Mensa demoliert, Spielgeräte wurden zerstört und Sitzbänke angezündet.
Auch im Innenbereich gibt es erhebliche Schäden, insbesondere im Sanitärbereich. Wände und Waschbecken werden mit Fäkalien beschmiert und die Toiletten wiederholt beschädigt. Die dadurch entstehenden Kosten belaufen sich nach Angaben der Schulen auf mehrere Tausend Euro pro Quartal.
Für die Toiletten wurden unterschiedliche Lösungsansätze diskutiert. Eine Möglichkeit wäre der Einsatz eines Transpondersystems, mit dem die Toiletten zu bestimmten Zeiten verschlossen und die Nutzung dokumentiert werden kann. Die Kreyenbohmschule in Oldenburg hat mit einem solchen System gute Erfahrungen gemacht. Der Vandalismus ist dort signifikant zurückgegangen.
Ein anderer möglicher Ansatz. Die Toiletten gemeinsam mit Rashid Ghazi, Kunstlehrer und Schülerinnen und Schülern künstlerisch zu gestalten. Dadurch könnten die Schülerinnen und Schüler stärker in die Gestaltung und Verantwortung für ihre Schule einbezogen werden.
Handyverbot zeigt positive Wirkung
Positiv fällt dagegen die Entwicklung nach der Einführung des Handyverbots auf. Das Verbot werde von den meisten Schülerinnen und Schülern gut angenommen. Es werde wieder mehr miteinander kommuniziert und auch Gesellschaftsspiele würden in den Pausen genutzt.
Marion Kaiser erinnerte in diesem Zusammenhang an die Einführung der Handynutzung an der Realschule. Als damalige Elternsprecherin hatte sie als einzige gegen die Einführung der Handynutzung gestimmt. „Es beruhigt mich, dass die Nutzung nicht mehr möglich ist“, so Kaiser.
Schulhof für 575 Schülerinnen und Schüler zu klein
Auch die räumlichen Bedingungen sind ein Problem. Der Schulhof ist für 575 Schülerinnen und Schüler zu klein. Zudem gibt es weder ausreichend Sonnen- noch Regenschutz. Die Bewegungsmöglichkeiten sind im Verhältnis zur Ausstattung beim Gymnasium ausbaufähig. Auch ist die Gestaltung des Außengeländes wenig attraktiv. Es fehlen blühende mehrjährige Stauden, die ein Anziehungspunkt für Insekten sind und dadurch als Unterstützung im Biologieunterricht genutzt werden könnten. Dazu bietet sich eine Zusammenarbeit mit der AG Garten an. Eine Pausenhalle fehlt leider vollständig.
Hier besteht aus Sicht der Beteiligten dringender Handlungsbedarf, um den Schülerinnen und Schülern auch während der Pausen angemessene Aufenthalts- und Rückzugsmöglichkeiten zu bieten.
Mehr Schulsozialarbeit dringend erforderlich
Ein weiteres Problem ist die geringe Zahl an Schulsozialarbeiterstunden an der Realschule. Insbesondere bei Schülerinnen und Schülern, die vom Gymnasium an die Realschule wechseln, seien psychische Auffälligkeiten zu beobachten. Diese müssten zunächst wieder positiv aufgebaut und stabilisiert werden. Die hierfür notwendige intensive Begleitung sei mit den vorhandenen personellen Ressourcen jedoch nicht leistbar. Das Land starten in ihrem Doppelhaushalt dazu gerade eine Offensive, um die Schulsozialarbeit stark auszubauen.
„Schulen können diese Aufgabe nicht allein auffangen. Wenn wir wollen, dass Schülerinnen und Schüler erfolgreich lernen und sich positiv entwickeln, müssen wir ihnen auch die notwendige sozialpädagogische Unterstützung zu Verfügung stellen“, betonte Marion Kaiser.
Schulabsintismus gemeinsam bekämpfen
Auch das Thema Schulabsintismus beschäftigt die beiden städtischen Schulen in Bremervörde. Pascal Mennen hatte hierzu im Juni 2026 einen Antrag im Niedersächsischen Landtag gestellt, der sich unter anderem mit einem Leitfaden zur Prävention und dem Umgang mit Schulabsintismus beschäftigt.
Der derzeitige Ablauf zwischen den Schulen und dem Landkreis sei ausbaufähig. Insbesondere fehle es an konkreten Ansprechpartnern beim Landkreis.
Pascal Mennen empfiehlt deshalb, gemeinsam mit dem Schulträger beim Landkreis Unterstützung einzufordern und nach Möglichkeit einen gemeinsamen Schulentwicklungsprozess anzustoßen. Ziel muss es sein, klare Zuständigkeiten und verbindliche Abläufe zu schaffen, damit bei Schulabsintismus frühzeitig und wirksam gehandelt werden kann.
Medienkompetenz und Informatik stärker in den Mittelpunkt rücken
Auch bildungspolitisch besteht Handlungsbedarf! Die Politik müsse die Schulen stärker bei der Vermittlung von Medienkompetenz und Informatik unterstützen. Dafür brauche es ausreichend Unterrichtsstunden und entsprechende Angebote. Darüber hinaus wurde vorgeschlagen, verpflichtende Fortbildungsangebote für Lehrkräfte in diesen Bereichen zu schaffen. Schülerinnen und Schüler müssten auf eine zunehmend digitale Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet werde – dafür müsse auch die Lehrerschaft entsprechend unterstützt und qualifiziert werden.
Mensa: Qualität und Wirtschaftlichkeit im Blick behalten
Im Anschluss wurde die Mensa besucht, zu der verschiedene Beschwerden vorliegen. Das angebotene Mittagessen bestehend aus Salat, Hauptspeise und Nachspeise kostet 5,50€.
Beim Essen wurde deutlich, dass die Geschmäcker der angebotenen Gerichte teilweise stark auseinandergehen. Auf Nachfrage wurde erläutert, dass sich Apetito bei der Zusammenstellung des Essens an die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. orientiert. Die Preisgestaltung erfolgt durch die Firmenzentrale und ist budgetorientiert. Eine Herausforderung ist für den Kantinenbetreiber die geringe Zahl der Essensteilnehmerinnen und Teilnehmer. Derzeit nehmen lediglich 20 Kinder am Mittagessen teil. Dadurch ist das verfügbare Budget entsprechend klein.
Andere Schulen hätten auf eine vergleichbare Situation reagiert, indem sie für die Klassen 5 und 6 ein verpflichtendes Mittagessen eingeführt haben. „Ein solcher Ansatz könnte auch in Bremervörde geprüft werden, um die Mensa wirtschaftlich zu stärken und gleichzeitig ein verlässliches Mittagseesen sicherzustellen“, betonen die Grünen.
Jugendliche brauchen mehr Aufenthaltsmöglichkeiten
Über die schulischen Themen hinaus wurde auch über die Situation der Jugendlichen in Bremervörde gesprochen. Jugendliche beklagen mangelnde Aufenthaltsmöglichkeiten in der Stadt.
Hier stellt sich die Frage, welche Räume und Angebote geschaffen werden können. In denen sich Jugendliche treffen, aufhalten und ihre Freizeit verbringen können. Eine attraktive Kinder- und Jugendinfrastruktur ist ein wichtiger Bestandteil einer lebenswerten Stadt und zugleich ein Beitrag zur Prävention von Konflikten und Vandalismus. Dazu zählen z.B. Spielplätze, verteilt in der Stadt und auch das Jubs in der Nähe des Bahnhofs. Die Grünen schlagen zusätzlich die Gründung eines Jugendbeirats vor. „Wir müssen die Jugendlichen in die Entwicklung dieser Stadt stärker einbeziehen, schließlich gibt es auch einen Seniorenbeirat,“ so die Grünen.
Politik muss Verantwortung übernehmen
Der Besuch hat gezeigt, dass viele der Probleme miteinander verbunden sind. Vandalismus, fehlende Aufenthaltsmöglichkeiten, Schulabsintismus, psychische Belastungen und mangelnde personelle Ressourcen können nicht isoliert betrachtet werden.
Gefordert sind gemeinsame Lösungen von Schulen, Schulträgern, Landkreis und Politik. Dazu gehören insbesondere:
Eine Verbesserung der räumlichen Situation
Maßnahmen gegen Vandalismus und Drogenkonsum
Mehr Schulsozialarbeiterstunden
Ein verbindliches Konzept gegen Schulabsintismus
Konkrete Ansprechpartner beim Landkreis
Mehr Unterrichtsangebote für Medienkompetenz und Informatik
Bessere Qualifizierungsmöglichkeiten für Lehrkräfte
Eine Weiterentwicklung des Mensakonzeptes
Zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche in Bremervörde
Schule ist mehr als Unterricht. Sie ist ein zentraler Ort des sozialen Miteinander und der Persönlichkeitsentwicklung. Damit Schulen diesen Auftrag erfüllen können, brauchen sie die entsprechenden Rahmenbedingungen und politische. Unterstützung.
Marioon Kaiser
Bündnis 90/Die Grünen
Sprecherin
Ortsverband Bremervörd
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