
04.08.26 –
Klimaschutz ist Hochwasserschutz – Hochwasserschutz ist Menschenschutz
Grüne besichtigen Neubau des Schöpfwerks Ostendorf
Der Klimawandel schreitet unaufhörlich voran, Starkregenereignisse und steigende Meeresspiegel sind die zukünftigen Herausforderungen, auf die sich Niedersachsen vorbereiten muss. Dazu startet Niedersachsen ein Rekordprogramm, das Deiche stärkt und veraltete Schöpfwerke für die Zukunft rüstet.
Um Deiche gegen drohendes Hochwasser zu erhöhen und alte Siele und Schöpfwerke zu modernisieren, plant Niedersachsens Landesregierung in diesem Jahr viele Millionen Euro zusätzlich zu investieren. Sowohl für den Küstenschutz an der Nordsee als auch für den Hochwasserschutz im Binnenland soll mehr Geld ausgegeben werden. Aus Sicht der Deich- und Sielverbände sind größere Investitionen dringend nötig, da die Pumptechnik in vielen Schöpfwerken in die Jahre gekommen ist.
Zusätzlich zum normalen Hochwasserprogramm werden 2026 46 Millionen für den Hochwasserschutz im Binnenland, Deichrückverlegungen und Auenentwicklung mobilisiert. 43 Millionen kommen dafür aus dem EU-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) – hinzu kommt die Kofinanzierung des Landes.
Weitere 20 Millionen werden aus dem Landesinvestitionsprogramm für Siel und Schöpfwerke bereitgestellt. „Beim Hochwasserschutz und der Gewässerrenaturierung darf nicht gespart werden, Hochwasserschutz ist Menschenschutz“, so Die Grünen.
Die Landesregierung hatte nach dem großen Hochwasser 2023/24 angekündigt, das Sondervermögen für Hochwasserschutz bis 2048 um insgesamt 248 Millionen aufzustocken. „Das wird aber bei weitem nicht ausreichen, da müssen wir die Bundesregierung in die Pflicht nehmen, mehr Geld für den Küstenschutz und den Hochwasserschutz im Binnenland bereitzustellen“, so Die Grünen. Im Schnitt werden an den Küsten die Deiche um 1 Meter, mit Vorsorge auf 2 Meter aufgestockt, das kostet Milliarden. Eine große Herausforderung, die das Land Niedersachsen nicht allein stemmen kann.
In der Vergangenheit wurden schon umfangreiche Maßnahmen für den Binnenlandschutz im Landkreis durchgeführt, so wurde der Deich entlang der Oste bis Schönau erhöht und Überflutungsflächen vergrößert. Nun werden die veralteten Schöpfwerke abgerissen und durch Neubauten ersetzt, gleichzeitig erfolgt eine Deichrückverlegung sowie eine Deicherhöhung um 0,80 Meter. Vor Ort konnten sich die Grünen ein umfangreiches Bild über die Baumaßnahmen des neuen Schöpfwerks, mit einer Leistung von 1600 Liter pro Sekunde in Ostendorf machen. Thorsten Ratzke, Geschäftsführer Unterhaltungsverband Untere Oste (UHV) und des Ostedeichverbands, erklärte die umfangreichen Baumaßnahmen und die noch folgenden Deicherhöhungen. Der Deich wird auf die Höhe von 4,60 m Normalnull (NN) über einer Länge von 1,8 km erhöht, dabei kann es vorkommen, dass Einschränkungen bei der Nutzung des Deichverteidigungswegs über einen längeren Zeitraum auftreten. Hier bittet Thorsten Ratzke um Verständnis.
Die beim UHV beschäftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Oberflächenwassers, durch Freihaltung der Gewässer 2.Ordnung im Einzugsgebiet der Oste zwischen Bremervörde und der Oste Mündung. Sie sind für 151 Schöpfwerke zuständig, die regelmäßig gewartet und kontrolliert werden müssen. Die Kosten dafür werden größtenteils über die Beiträge der Anlieger im Einzugsgebiet gedeckt.
Die Frage nach den Veränderungen durch den Bau der A20 konnte Thorsten Ratzke nicht abschließend beantworten. Das ist ein großer Einschnitt, in ein über Jahrhunderte gewachsenes System. Die Entwässerung muss in dem Bereich vollkommen neu gedacht werden.
„Wir sind froh, dass das Land Niedersachsen auch unsere Schöpfwerke und Deiche an der Oste, den Herausforderungen der Zukunft anpasst. Das ist die Rückversicherung, unser Zuhause zu schützen“, so Marion Kaiser.
„Gleichzeitig ist es wichtig, das Oberflächenwassermanagement den neuen Gegebenheiten anzupassen. Es sollten Maßnahmen ergriffen werden, das Oberflächenwasser länger zu halten, um längere Dürrephasen besser zu überstehen“, geben die Grünen zu bedenken. „Zurücklehnen können wir uns also nicht, wir sollten eigene Maßnahmen treffen, um die fortschreitende Klimaerwärmung zu reduzieren, auch wenn unser Beitrag gering ist, die Summe machts“, so Jana Basilon von den Grünen.
Dafür muss die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zurückgefahren und die Erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden. Wir sollten auch das starre System der gemeinsamen Stromzonen auflockern, um die Strompreise für Verbraucher und Industrie zu senken und um Abschaltungen (Redispatch) von Windparks zu reduzieren. Die EU fordert schon lange, Deutschland in mehrere Stromzonen einzuteilen, hier bremsen die Konservativen leider bisher. Dabei ist die gemeinsame Stromzone ein Standortnachteil für die norddeutschen Bundesländer, es verhindert wichtige Investitionen wie z.B. in die Wasserstoffproduktion. „Unverständlich, dass die Politikerinnen und Politiker der CDU und der SPD aus unserer Region, nicht stärker in Berlin intervenieren“, so die Grünen.
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