- von Wildbienen und Menschen

von Wildbienen und Menschen: Nicht die allseits beliebte Honigbiene stand im Mittelpunkt des Faktenchecks des Biologen Rolf Witt am vergangenen Dienstag auf einer Informationsveranstaltung der Bremervörder Grünen. Es kommt auf die Vielzahl an Wildbienen und Wespenarten an, die viel weniger auffällig dezimiert werden und teilweise schon ausgelöscht sind. Das Insektensterben ist ...

von Wildbienen und Menschen:

Nicht die allseits beliebte Honigbiene stand im Mittelpunkt des Faktenchecks des Biologen Rolf Witt am vergangenen Dienstag auf einer Informationsveranstaltung der Bremervörder Grünen. Es kommt auf die Vielzahl an Wildbienen und Wespenarten an, die viel weniger auffällig dezimiert werden und teilweise schon ausgelöscht sind. Das Insektensterben ist seit einem Jahr extrem sichtbar und inzwischen auch für die Politk interessant, allerdings - so betont Witt - auf Grund des in verschiedenen Untersuchungen festgestellten Rückgangs an Biomasse insgesamt.

Welche einzelen selteneren Arten verloren gehen, ist ungleich schwieriger feststellbar. Der Rückgang an Insekten ist kein heutiger Prozess, er läuft kontinuierlich anwachsend seit der Umstellung unserer Landwirtschaft in den sechziger Jahren. Lebensräume gehen durch den Flächenverbrauch und die Dynamik unserer Landschaft verloren. Veränderungen in unserer Landschaft werden seltener und ungenutzte Bereiche, Sand- und Schotterflächen, werden immer stärker reduziert.

Betroffen sind in erster Linie seltenere Bienenarten, die auf bestimmte Pflanzen spezialisiert sind. Deswegen nützen auch nicht die vielgepriesenen Blühstreifen an sich, sondern ihre richtige Bestückung und Pflege - ein mühsames Geschäft für Fachleute. Mit eindringlichen und bestechenden Fotos informierte Biologe Witt über unterschiedliche Arten und Lebensräume der Bienen.

Ein buntes Bild: Wildbienen sind "plüschig und vegan", Hummeln überragende Bestäuber. Die Holzbiene ist diesen Sommer glücklich und dringt jetzt sogar in den Norden Schleswig-Holsteins vor. Parasitenwespen stellen den Hauptteil der Hautflüglerarten. Bestimmten Wildbienen schmeckt nur eine Pflanze, andere sind da eher kompromissbereit bei der Nahrungsquelle. 37% der Wildbienenarten sind ungefährdet, 7% schon ausgestorben.

Hauptursachen des Insektensterbens sind der Bedeutung nach der Flächenverbrauch in Deutschland, das fehlende Blütenangebot, das fehlende Nistplatzangebot, Pestizide und neue Parasiten. Die Wirkung des Klimawandels ist dagegen eher als neutral anzusehen, manche Arten profitieren, stellt Witt fest.

Ebenso vielseitig wie die Ursachen des Insektensterbens sind hilfreiche Gegenmaßnahmen. Untergenutze Landflächen, Steilhänge, arme Böden sind notwendig. Alte weiter stehende Baumstämme, hohes Gras, trockenes Holz, Sandflächen, vielseitige Blumenmischungen, Beachtung der Nahrungskonkurrenten und vieles mehr können hilfreich sein für die selteneren Populationen. Leider gibt es, bedauert der Referent Herr Witt, zu wenig Fachleute. Falsch angelegte Blühstreifen könnten sogar kontraproduktiv sein. Rolf Hüchting

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Archiv Naturschutz